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Warum das Internet in Werther nicht so schnell ist und was der Masterplan beinhaltet

Tobias
Weinhorst

Ich war gestern zu Gast im Haupt- und Finanzausschuss. Eigentlich ist dies nicht mein Ausschuss, aber diesmal stand auch das Thema „Digitaler Breitband Masterplan“ auf der Tagesordnung, das mich interessiert hat. Andreas Poppenborg von regio IT hat diesen mitentwickelt und war eingeladen, Details daraus vorzustellen.

Ich hatte schon einmal einen kleinen Zwischenbericht hier geschrieben. Heute sind noch ein paar Details dazu gekommen. Bemerkenswert fand ich, dass die Reporter der beiden regionalen Zeitungen zu diesen Tagesordnungspunkt den Sitzungssaal verlassen haben – anscheint ist das Thema aus deren Augen nicht so interessant oder schon ausreichend behandelt worden. Schade.

Der Masterplan

Um den sogenannten Masterplan besser verstehen zu können, muss man folgendes wissen: Die Telefonleitungen, die das Internetsignal in Werther übertragen, bestehen in den meisten Fällen aus Kupfer. Dies ist für Telefonsignale auch in Ordnung, jedoch lässt es keine hohen Übertragungsgeschwindigkeiten für Internetsignale zu. Besser und für einen schnellen Internetanschluss zwangsweise erforderlich wären der Austausch gegen Glasfaserleitungen, die das Signal als Lichtsignal übertragen. Und zwar bis in jeden einzelnen Hausanschluss.

Will man die ganzen Kupferleitungen im Kreis Gütersloh austauschen, müssen dafür 5.000 km Glasfaserkabel verlegt werden. Das ist ungefähr so weit wie von hier nach Kandahar in Afghanistan. Interessant ist zu erwähnen, dass man mit vergleichsweise wenigen 2.000 Kilometern schon 89% der Haushalte mit Glasfaser versorgen könnte, weil die restlichen 11% soweit vom Kerngebiet weg liegen, dass diese 3.000 km Kabel ausmachen.

Ich selbst wohne im Kerkenbrock und damit recht weit ab. Ich zähle also sehr wahrscheinlich zu den 11%. Ich habe mich gefragt, ob ich einen Anspruch darauf habe, dass auch bis zu mir Glasfaser verlegt wird. Wenn die Stadt Kosten für die Erschließung übernehmen sollte, dann werden diese durch die Allgemeinheit getragen und als Teil der Allgemeinheit könnte ich meinen Anspruch irgendwie ja auch gelten machen. Anderseits muss man festhalten, dass es mir frei steht, meinen Wohnort zu verlagern und ich bewusst diesen Wohnort gewählt habe. Die damit verbundenen vermeintlichen Nachteile (keine 20-Minuten-Taktung bei den Bussen, keine Straßenbeleuchtung bis vor die Haustür und mindestens 15 Minuten Fußmarsch bis zum nächsten Briefkasten) nehme ich bewusst in Kauf und vielleicht wird die schlechtere Internetversorgung auch ein Nachteil, den ich akzeptieren muss.

Der Komplettausbau mit Glaserfaser (ob nun die 89% oder die 100% damit gemeint sind, bleibt zunächst offen) ist für 2025 angestrebt und damit noch sehr lange hin. Aber es gibt Hoffnung auf eine Verbesserung, die schon in den nächsten drei Jahren zum Tragen können könnte.

Und zwar liegen zwischen dem Hausanschluss und „dem Internet“ noch ein paar Knotenpunkte, über die die Leitungen vergleichbar mit den Seitenarmen eines Flusses immer weiter zusammenlaufen und letztendlich über einen Backbone mit dem Internet verbunden sind. (Technisch versierte Leser verzeihen mir an dieser Stelle bitte die bewusst vereinfachte Darstellung der recht komplexen Technik.) Nach dem Hausanschluss geht das Internetsignal zunächst in den Kabelverzweiger (davon gibt es 15 in Werther, bzw. 330.000 deutschlandweit) und von dort in den Hauptverteiler (davon gibt es 1 in Werther, bzw. 27 im Kreis Gütersloh, bzw. 8.000 deutschlandweit).

Zeitnahe Verbesserung

Diese Kabelverzweiger stellen schon jetzt eine Art Nadelohr dar und können durch Austausch auf neuere Technik eine maßgebliche Verbesserung erzeugen. Die Geschwindigkeit direkt an einem solchen Verteiler beträgt derzeit ca. 20.000 kBit/s und könnte mit dem Austausch auf ca. 50.000 kBit/s angehoben werden. Jedoch liegen zwischen den Kabelverzweigern und den Hausschlüsseln derzeit nur Kupferkabel und dort ist mit jedem Meter mit Verlusten zu rechnen. Nach ca. 200 Meter wäre man schon auf ca. 35.000 runter, nach ca. 500 Metern auf etwa 20.000. Bei 2 bis 3 km ist nicht mehr als 5.000 zu erwarten.

Dennoch würde sich der Austausch lohnen, da die Verbesserung schon spürbar ist und der Austausch auch für die Umrüstung auf Glasfaser benötigt wird. Diese Verteiler sind jedoch nicht im Besitz der öffentlichen Hand sondern gehören der Deutschen Telekom. Da der Austausch dieser Anlagen nicht ganz günstig ist, werden diese nur nach und nach ausgetauscht. Tauscht man diese mit öffentlichen Geldern aus, kann man dies als ein Geschenk an die Telekom verstehen, was sicherlich auch nicht zwangsweise so gewünscht ist. Ist wird ein Punkt sein, über den man in den nächsten Wochen diskutieren wird.

Einen goldenen Hoffnungsschimmer konnte Herr Poppenborg verkünden: Es ist bekannt geworden, dass der Kreis Gütersloh in eine engere Auswahl für eine europäische Förderung für den Breitbandausbau gekommen ist. Wenn das klappt, würden wir durch ca. 43 Millionen Euro unterstützt werden, was die Umsetzung maßgeblich beschleunigen würde.

Kleine Anmerkungen der Form halber: Das Thema wurde im öffentlichen und nicht-öffentlichen Teil der Sitzung besprochen. Die hier genannten Informationen stammen alle aus dem öffentlichen Teil.

Bildquellenangabe:
Tim Reckmann / pixelio.de

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